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Einvernehmliche Vergewaltigung? Um dieses Buch geht’s!
Abgebildet ist eine KI Simulation von Paolo Costa.
KI-Bild #KI #AI

Vorwort:

Eigentlich schreibe ich ja Science Fiction und mein »Moíra-Zyklus« muss sich hinter anderen Werken des Genres keinesfalls verstecken.

In diesem Beitrag geht es aber um eins meiner Bücher aus dem produktiven Jahr 2020. Es fällt gegenüber meinen sonstigen Veröffentlichungen aus der Reihe, war als Experiment gedacht und ist für eine sehr spezielle Zielgruppe geschrieben, nämlich für schwule Männer, die sich zur BDSM-Szene hingezogen fühlen.

Ich hätte damals nie gedacht, dass ausgerechnet dies Werk mein größter kommerzieller Erfolg werden würde.

Und jetzt zum Thema:

Einvernehmliche Vergewaltigung

… ist ein Widerspruch in sich. Punkt.

Sprachwissenschaftler bezeichnen diese Art gegensätzlicher Begriffe als Oxymoron.

Trotzdem habe ich lange Zeit nicht erkannt, dass in meinem Buch »Empath« tatsächlich auch vergewaltigt wird, weil sich alles scheinbar so einvernehmlich und zwangsläufig entwickelt.

Zum Hintergrund: Die Hauptfigur Paolo Costa ist ein Escort mit paranormal starken empathischen Fähigkeiten. Der Haken ist hier, dass er nicht nur die Gefühle aus seiner Umwelt empfängt, sondern unter gewissen Umständen auch seine eigenen Emotionen in die Umgebung senden kann. Dieser Aspekt ist ein wichtiger Teil der Geschichte, der die kommenden Verwicklungen maßgeblich mit verursacht.

Paolo sieht verboten gut aus. Auch das ist Teil des Problems. Viele, die ihn sehen, können sich der hypnotischen Ausstrahlung seiner blauen Augen nicht entziehen.

Ich habe vor einiger Zeit (als mir noch nicht klar war, dass man das nicht tut) einmal eine Künstliche Intelligenz halluzinieren lassen, wie ein Mann wirken würde, auf den meine Beschreibung Paolos im Buch passt. Einige der Ergebnisse siehst du in diesem Artikel.

Natürlich ist seine Erscheinung nicht jedermanns Sache, aber viele würden ihn wohl für ein Porno-Modell halten und – falls er (mit oder ohne Geld) Sex mit ihnen machen wollte – würden sie ihn nicht von der Bettkante schupsen.

Einvernehmliche Vergewaltigung? Um dieses Buch geht’s!
Abgebildet ist eine KI Simulation von Paolo Costa.
KI-Bild #KI #AI

Jedenfalls nicht nach außen.

Wenn er sich nun mit einem Kunden näher befasst, und darin hat Paolo Erfahrung, wird der Gast beinahe zwangläufig seiner Ausstrahlung erliegen und beide werden rasch zum angenehmen Teil des Tages übergehen.

Paolo macht das Spaß, und es gefällt ihm, wenn er fühlt, wie der andere unter seinen Händen dahinschmilzt. Irgendwann erreicht die Szene einen Punkt ohne Wiederkehr, dann nämlich, wenn Paolo selbst geil wird. Von da an überträgt er seine eigene Erregung auf das Gegenüber und beide rutschen in eine Rückkopplungsschleife, die sie ihrem Höhepunkt entgegen trägt, der dann unausweichlich wird.

So lange beide etwas tun, was ihnen im Normalzustand auch Spaß macht, ist an dieser gegenseitigen Verstärkung nichts auszusetzen und ich wage zu behaupten, dass viele Haus und Hof verpfänden würden, um mit solch einen Partner anregende Dinge erleben zu dürfen.

Normalerweise sondiert Paolo auch vor einer Session, wonach der andere sich im Unterbewußtsein sehnt, und baut es in die Szene mit ein. Da ist er ganz Dienstleister! Er erspürt mit seinen feinen Sinnen Sehnsüchte unter der Oberfläche der Gefühle, die sein Freier sich nie trauen würde, laut auszusprechen, und lässt sie zur Wirklichkeit werden.

Hakelig wird es aber, sobald er etwas tut, was nur ihm Spaß macht, Analverkehr beispielsweise, obwohl sein Kunde vielleicht auf Paolos Kaliber nicht vorbereitet ist. Dann überschreibt Paolos eigene Erregung nämlich die Gefühle des anderen, weil sie so stark ist!

Dieser bemerkt davon nichts, weil ihm in diesem Moment alles Spaß macht, was Paolo Spaß macht. Der Schmerz wirkt in beider Lustrausch sogar als zusätzlicher Kick.

Nach dem Abgang bricht die empathische Verbindung aber zusammen, die sie zuvor aneinander gekettet hat. Jeder ist wieder Herr seiner eigenen Sinne, seines eigenen Schmerzes, und der Mißbrauch sollte sich offenbaren.

Sollte er?

Keiner seiner Freier würde Paolo aber deswegen anzeigen, denn sie waren alle, während der ganzen Zeit, ununterbrochen derart erregt gewesen, dass ihnen alles, was Paolo mit ihnen tat, wie ihr eigener, unverfälschter Wille vorkam.

So funktionierte die (empathische) Verbindung. Der, der sie herstellte und führte, bestimmte auch, nach welchen Regeln die Session ablief und beide Partner fanden das geil.

Im Gegenteil würde jeder, der mit Paolo Sex gehabt hatte, den Vorwurf einer Vergewaltigung empört abstreiten. Auf eine verdrehte Art blieben sie ihm auch über das Ende der Verbindung hinaus hörig.

Zitat aus »Empath«

Selbst Paolo war anfangs nicht klar, dass er eine mentale Vergewaltigung beging, wenn er jemanden auf diese Art nahm. »So lange beide ihren Spaß haben, ist es doch okay, oder?«, würde er wohl argumentiert haben.

Rechtlich ist die Sache eindeutig. Moralisch kann ich das allerdings schwieriger einordnen, denn mit dem Freien Willen ist das im täglichen Leben so eine Sache. Die Grenzen zwischen bloßer Verführung und von außen gesteuertem (Sucht-)verhalten sind in vielen (nicht zwangsläufig strafrechtlich relevanten) Bereichen nämlich fließend. Ich gehe hier nicht ins Detail, denn das wäre ein eigener Artikel auf einem Gebiet, das nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt.

Einvernehmliche Vergewaltigung? Um dieses Buch geht’s!
Abgebildet ist eine KI Simulation von Paolo Costa.
KI-Bild #KI #AI

Wie bereits gesagt, habe ich diesen hoch experimentellen Text für schwule Männer geschrieben, die sich als Teil der BDSM-Szene sehen. Viele von ihnen handhaben diese Problematik einvernehmlichen Sexes in der Praxis nämlich differenzierter als der Gesetzgeber und leben ihre Fantasien recht ungehemmt aus. Einvernehmlich.

Nein heißt selbstverständlich Nein.

Aber was ist, wenn dir dein Partner in Crime ein »Oh Gott, mach bloß weiter! Hör jetzt nicht auf!« ins Ohr haucht?

Nachwort: Sollte ich …

… über Vergewaltigung schreiben?

Mein Roman geht an einigen Stellen weit über das hinaus, was als einvernehmlich durchgehen könnte und einige Hauptfiguren bewegen sich nicht auf dem Boden von Recht und Gesetz.

Wenn Paolo während einer Spielszene plötzlich in deinem Kopf auftaucht, und dann genau das tut, was du in diesem Augenblick brauchst, ist das auch nicht jedermanns Sache. Im besten Falle steigert es beider Spaß in Unermessliche, im schlimmsten Fall führt es zu einer Panikattacke.

Ich befinde mich beim Be-Schreiben solch zwiespältiger Situationen aber in guter Gesellschaft. Sehr erfolgreiche Schriftsteller wie Ken Follet, George R. R. Martin und Stig Larsson texte(te)n über körperliche und seelische Gewalt und Metzelfantasien, bei denen ich persönlich nachts schreiend aufwachen würde, geschähe mir das im wirklichen Leben tatsächlich.

So lange die Fantasie eine solche bleibt und nicht ausgelebt wird, finde ich daran nichts auszusetzen, auch wenn ich solchen Stoff nur selten lese.

Ich möchte – genau wie obige Thrillerautoren – mit meinem Text zwar deine Vorstellungskraft anregen, ihn aber nicht als Aufforderung zum Nachspielen verstanden wissen!

Einige Szenen in meinem Buch eignen sich dagegen ausgezeichnet als Einhandliteratur. Du kannst sie im Kopf durchleben, auch wenn du Paolos Ausstattung möglicherweise nicht schmerzfrei in dich aufnehmen könntest, oder anderes, was er mit seinen Freiern macht, zwar geil findest, aber zum Ausprobieren nicht den geeigneten Spielpartner hast.

Auf das paranormale musst du dich dabei einlassen, sonst macht es keinen Spaß, wie eine Leserin in einer Rezension geschrieben hat. Also: Lass dich auf ihn ein und Paolo sorgt für den Spaß!

Alle, die mein Buch jetzt noch lesen wollen, sind gewarnt, und werden einen hohen Preis zahlen 😏

In diesem Sinne
Bleib gespannt
Dein Mike


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